Dermatologie & Allergologie
Abszess: Diagnose
Abszess
Definition
Eiteransammlung in einer nicht vorgebildeten, sondern durch Gewebseinschmelzung (Verflüssigung einer Nekrose) bzw. Infektion entstandenen, allseitig abgeschlossenen Gewebshöhle, die später oft von einer bindegewebigen Abszessmembran umgeben wird (Gegensatz: Empyem). Heisser Abzess bei akuter Entzündung, kalter Abzess durch chronische Entzündung (meistens bei Tbc).
Erreger
Meist Staphylokokken und Streptokokken, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Anaerobien, Parasiten, häufig Mischinfektion
Lokalisation
Meist Körperoberfläche, selten intrakorporal
Symptome
Im Frühstadium Kardinalsymptome einer Entzündung:
- schlecht abgrenzbare Schwellung,
- Rötung,
- lokale Temperatursteigerung und
- Druckschmerzen
Im Stadium der Abszedierung
- Fluktuation,
- pulssynchrone pochende Schmerzen,
- gelegentlich Fieber
Diagnostik
- Labor, mikrobiologische und serologische Tests, Leukozyten, BSG
- bei intrakorporalen Abszessen Röntgen, Sonograpie und CT
Differentialdiagnose
- tuberkulöser, sog. kalter Abszess (ohne Rötung und lokale Überwärmung)
- Tumoren
- infizierte Zysten, erweichende Tumoren
- im klinischen Sprachgebrauch werden häufig auch abgekapselte Empyeme als Abszess (z.B. subphrenischer Abszess [s. u.], Douglas-Abszess) bezeichnet
Abszessformen:
Kutaner Abszess
Abszedierende Infektion der Haut nach Gelegenheitswunden, meist hervorgerufen durch Staphylococcus aureus
Subkutaner Abszess
Nach Verletzungen mit oder ohne Fremdkörpereinsprengung und Hämatombildung oder nach Injektionen
Pyodermien der Haarfollikel
Follikulitis
Infektion der Haarfollikel, u. U. auch der dazugehörigen Talgdrüsen, meist durch koagulasepositiven Staphylococcus aureus

Follikulitis
(Mit freundlicher Genehmigung Roche AG)
Furunkel
Tiefer sitzender Knoten mit zentraler eitriger Einschmelzung, ausgehend vom infizierten Haarfollikel

Furunkel
(Mit freundlicher Genehmigung Roche AG)
Furunkulose
Multipel auftretende oder rezidivierende Furunkel
Karbunkel
Mehrere nebeneinanderliegende, ineinander verschmelzende Furunkel

Karbunkel bei Diabetes
(Mit freundlicher Genehmigung Roche AG)
Symptome
- Anfangs juckende Pustel mit einem Haar im Mittelpunkt
- Ausdehnung unter Schmerzen durch Perifollikulitis
- Nach einigen Stunden Hautrötung, Ödembildung und zunehmende Gewebsverdichtung mit Spannungsgefühl
- Übergang in bohnen- bis walnussgroße, schmerzhafte Knoten. Ausbildung eines nekrotischen graugrünen Pfropfens in Knotenmitte
- Schließlich Ausstoßung des Eiterpfropfens. Rückgang der Schmerzhaftigkeit und Vernarbung
Sonderformen:
Gesichtsfurunkel
Bei Gesichtsfurunkel wird der Eiterherd bei den straffen Verbindungen zwischen Haut und Muskulatur ständig bewegt.
Cave:
Gefahr der Sinus-cavernosus-Thrombose und Abszedierung ins Gehirn. Ödeme am inneren Augenwinkel sind drohende Alarmsymptome. Durch Sprechverbot und Zufuhr flüssiger Nahrung werden Bewegungen der Kau- und mimischen Muskulatur ausgeschaltet.
Schweißdrüsenabszess
Am häufigsten in der Achselhöhle lokalisiert. Gelegentlich auch inguinal. Bevorzugt bei Frauen. Typische brettharte Infiltrate im Gegensatz zu Furunkeln.
Perianaler Abszess
(Syn.: Periproktitischer Abszess)
Abszess im Analbereich durch eitrige Proktodealdrüseninfektion. Bei chronischem Verlauf Ausbreitung in die Verschiebeschichten des perianalen Raums und Ausbildung einer Analfistel (siehe auch Anorektalerkrankungen).
Abszesse bei Internen Erkrankungen:
Hirnabszess
Ansammlung von purulentem Material im Hirngewebe, verursacht durch Bakterien, Viren, Pilze oder Protozoen. Der Abszess kann abgekapselt oder als entzündliches Gewebe ohne Kapsel sein.
- Meist bei Patienten im Alter von 30-45 Jahren in 0,2 bis 1,3% Häufigkeit ohne hohes Fieber
- Die Infektion kann im Gehirn hämatogen oder in Folge einer Meningitis, Sinusitis, Otitis media, Endokarditis, posttraumatisch oder speziell bei immunabgeschwächten Patienten (Tbc, cryptococcus) kommen.
Symptome
- Kopfschmerzen
- meistens geringgradiges Fieber
- mentale Veränderungen
- Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens
- Herdsymptome wie Hemiparesen, fokale epileptische Anfälle, Demenz, Aphasien
Leberabszess
(Syn.: Hepatischer Abszess, Intrahepatischer Abszess)
Bakterielle Leberabszesse durch Erreger-Besiedelung auf hämatogenen oder biliären Wegen. Lokalisiert oft im re. Leberlappen, solitär oder multipel auftretend. Relativ selten geworden. Lebensbedrohliche Erkrankung!
Ursachen
- nach intraabdominellen Eingriffen (30%!)
- abszedierende Cholangitis
- Septikämie
- Fortleitung einer Entzündung benachbarter Strukturen (z.B. subphrenischer Abszess)
Erreger
Intestinale Bakterienflora (50% Anaerobier)
Symptome
- hohes Fieber, Schüttelfrost,
- schwere Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens,
- Hepatomegalie, Druckschmerz im re. Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, evtl. Ikterus und körperlicher Verfall
Diagnostik
- Labor: Anämie, Leukozytose mit Linksverschiebung, Beschleunigung der BSG, alkalische Phosphatase erhöht. Serologische Tests
- Röntgen: Thoraxbild und Abdomenübersicht: Pleuraerguss, Zwerchfellhochstand, oft Spiegelbildung im Abszess (Gasbildung durch Bakterien)
- Sonographie und CT des Abdomens
Sonderform:
Amöbenabszess
Abszess der Leber ("tropische Leberabszesse"). Bis 25 % der Patienten Infektion mit Entamoeba histolytica, z.B. nach Tropenaufenthalt.
Symptome
Uncharakteristisch. Schwäche, Fieber, Übelkeit und abdominelle Schmerzen
Diagnostik
- Labor: Anämie, Leukozytose, Beschleunigung der BSG und Hypalbuminämie. Serologische Tests
- Sonographie oder CT des Abdomens
Lungenabszess
(Syn.: Pulmonaler Abszess)
Solitäre oder multiple umschriebene Lungengewebeeinschmelzung mit eitrigem Inhalt
Ursachen
- Pneumonie (speziell durch Staphylokokken, Klebsiellen, Anaerobier oder Mykobakterien
- Aspiration (Fremdkörper, Blut, Erbrochenes, Gewebereste)
- Lungeninfarkt
- Bronchialkarzinom mit direktem Zerfall des Tumors
Symptome
- Fieber, Thoraxschmerzen, Dyspnoe, Husten
- Bei Einbruch eines Lungenabszesses in einen Bronchus plötzlich massiv eitriger Auswurf (zweischichtiges Sputum)
Diagnostik
- Röntgen-Thorax (Rundherd evtl. mit Spiegel)
- Bronchoskopie
Intraabdominale Abszesse:
Perinephritischer Abszess
Abszess zwischen Niere und Nierenkapsel
Perityphlitischer Abszess
Abszess im Bereich des Caecums bei akuter destruierender Appendizitis oder als postoperative Komplikation
Douglas-Abszess
Eiteransammlung im excavatio rectouterina (so genannter Douglas-Raum)
Subphrenischer Abszess
Zwischen Zwerchfell und Colon transversum lokalisierter, häufigster intraabdomineller Abszess (eigentlich Empyem - siehe oben), links häufiger als rechts auftretend.
Ursachen
- vorangehender chirurgischer Eingriff im Bauchraum
- Hohlorganperforation (Ulkus, Karzinom, Trauma)
- destruierende Entzündung
- lymphogene oder hämatogene Streuung von Bakterien
Symptome
- Fieber
- Leukozytose
- atemabhängige Schmerzen
- Schulterschmerz
Diagnostik
- Sonographie
- Computertomographie
- Röntgen (eingeschränkte Zwerchfellbeweglichkeit und subdiaphragmale Gasansammlung)
Komplikation
Ruptur mit diffuser Peritonitis, Pleuraempyem, Leberabszess, Sepsis
Retromammärer Abszess
Abszess hinter der Brustdrüse zwischen den Blättern der Fascia superficialis und Fascia profunda lokalisiert.
Differentialdiagnose
Mastitis
Letztes Update:25 Februar, 2009 - 10:17Abdominalschmerzen (Kind): Diagnose
Fälle und andere multimediale Materialien zum Lernen!
In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und deren Serviceeinrichtung
"Medical Media Services" finden Sie hier Lehrmaterial in Form von
Lehr-Krankengeschichten zum Thema "Peritonitis - Abdominelle Sepsis"!
Autoren: P. Götzinger, R. Exner
Abdominalschmerzen (Kind)
Häufigkeit
Häufig bei chronisch-rezidivierenden Bauchschmerzen nur in 5-10% der Fälle organische Ursachen
Einteilung
- Akute Bauchschmerzen (s. a. Abdomen, akutes)
- Chronisch-rezidivierende Bauchschmerzen
Ätiologie
Oberbauchschmerzen
Entzündlich
zum Beispiel Hepatitis, Gastritis, Cholezystitis, Leberabszess, subphrenischer Abszess, Pankreatitis, atypische Appendizitis
Passagestörung
zum Beispiel Gallenkolik, Magenvolvulus
Extraabdominell bedingt
zum Beispiel Unterlappenpneumonie, Reflux-Ösophagitis, epigastrische Hernie, Pleuritis
Sonstiges
zum Beispiel Magen- und Duodenalulzera, Stauungsleber
Unterbauchschmerzen
Entzündlich
zum Beispiel Appendizitis, Colitis ulcerosa, M. Crohn, Divertikulitis, Pyelonephritis, Zystitis, Peritonitis
Passagestörung
zum Beispiel inkarzerierte Hernie, Mekoniumileus, Hydronephrose, Nierenkolik, Invagination, Kolonpolypen, Bridenileus, paralyt. Ileus
Erkrankungen der Genitalorgane
zum Beispiel Hodentorsion, Eierstocktorsion, Salpingitis, Ovulationsschmerz
Variable oder diffuse Lokalisation
Entzündlich
zum Beispiel Enteritis, Yersiniose, Peritonitis
Passagestörung
zum Beispiel Missbildungen (Atresie, Stenose, Malrotation etc.), Volvulus, Briden, entzündliche Stenosen, Ileus, massiver Askaridenbefall
Funktionell
zum Beispiel „Nabelkoliken“, Colon irritabile, chronisch-habituelle Obstipation, Abdominalmigräne
Allgemeinerkrankungen
zum Beispiel bauchferne Infektionen und Infektionskrankheiten (Tonsillitis, Meningitis, beginnende Mumps etc.), Myalgia epidemica, Purpura Schoenlein-Henoch, familiäres Mittelmeerfieber, hormonelle Störungen (Phäochromozytom, Karzinoid-Syndrom etc.), metabolische Störungen (diabetische Ketoazidose, Hypoglykämie, azetonämisches Erbrechen etc.)
Sonstiges
zum Beispiel Nahrungsmittelallergie, adulter Laktasemangel, Simulation, vegetativ (Angst, Spannungszustände)
Anamnese
- Schmerzcharakter, -dauer und -lokalisation, Häufigkeit der Schmerzattacken
- Stuhlanamnese
- Schmerzauslösende Faktoren (z. B. bestimmte Nahrungsmittel, Defäkation, psychisch belastende Situationen etc.)
- Familienanamnese
Häufige Begleitsymptome
Fieber
Appendizitis, Enteritis, Peritonitis, Harnwegsinfekte, Unterlappenpneumonie, M. Crohn, Cholezystitis, abdominelle Abszesse, periodisches Syndrom (Migräne-Attacken mit Fieber)
Erbrechen
Appendizitis, Enteritis, Invagination, Ileus, Peritonitis, Harnwegsinfekte, Nieren- und Ureterkoliken, Gallenkoliken, Purpura Schoenlein-Henoch, diabetische Ketoazidose, M. Crohn, Ulcus pepticum, Cholezystitis, azetonämisches Erbrechen, „Nabelkoliken“, Abdominalmigräne
Meteorismus
Enteritis, paralytischer Ileus, Cholezystitis, adulter Laktasemangel, Trimenonkoliken, Colon irritabile
Diarrhoe
Enteritis, M. Crohn, Colitis ulcerosa, adulter Laktasemangel, Colon irritabile
Blutige Stühle
Enteritis, Invagination, Purpura Schoenlein-Henoch, M. Crohn, Colitis ulcerosa, Kolonpolypen, Meckelsches Divertikel
Obstipation
Appendizitis, Invagination, mechanischer und paralytischer Ileus, spastische Obstipation, chronisch-habituelle Obstipation, Ulcus pepticum
Diagnostik
Klinik
- Genaue Beobachtung des Kindes (Gesichtsausdruck, Abwehrmechanismen, Apathie, Körperhaltung, Vermeidung von Lagewechsel etc.)
- Sorgfältige körperliche Untersuchung inklusive rektaler Austastung, Temperaturmessung (rektal, axillär)
Labor
- Urinstatus
- Nierenparameter, Bilirubin
- Stuhldiagnostik, vor allem bei enteritischen Symptomen, evtl. Benzidinprobe
- Blutbild, Elektrolyte, CRP, BKS, Blutzucker, Blutgase, evtl. Transaminasen, Amylase, Serologie (Hepatitis, Salmonellen, Yersinien, Campylobacter jejuni, Helicobacter etc.), Gerinnung, IHA (indirekte Hämagglutination), EMA
- Immunologie (spezielle Untersuchungen)
Röntgen
- Sonographie: wichtig bei Verdacht auf Appendizitis, Invagination, Nieren- und Gallenkoliken, Harnwegsinfekte
- Abdomen-Leeraufnahme: bei jedem akuten Abdomen
- Kontrastmittel-Untersuchungen: wichtig bei Verdacht auf M. Crohn, Colitis ulcerosa, Missbildungen (z. B. Harnwege)
Endoskopie
Eventuell mit Biopsie; indiziert bei Verdacht auf M. Crohn, Colitis ulcerosa, Ulcus pepticum, Kolonpolypen
Untersuchungen bei speziellen Indikationen
Röntgenthorax, H2-Atemtest, Metaraminol-Test, Porphobilinogen im Urin etc.
Merke!
- Je jünger das Kind, desto uncharakteristischer die Symptomatik
- Je nabelferner und präziser die Schmerzlokalisation, desto wahrscheinlicher ist eine organische Ursache
- Bei rezidivierenden Bauchschmerzen mit Fieber immer chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ausschließen!
- Sofortige Klinikeinweisung bei akutem Abdomen, Verdacht auf Appendizitis, Wechsel zwischen Koliken und Apathie beim Säugling (Invagination!)
Kurzbeschreibung wichtiger Differenzialdiagnosen
Appendizitis
Abdominalsymptome
Zuerst meist unregelmäßige Schmerzattacken periumbilikal oder epigastrisch, dann kontinuierliche oder kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch
Begleitsymptome
Übelkeit, Erbrechen, Obstipation oder Diarrhoe, +/- Fieber
Lokalbefunde
Abwehrspannung und Druckschmerz im rechten Unterbauch, Loslassschmerz, Verschwinden des rechten unteren Bauchhautreflexes, Zunahme der Schmerzen bei Hüpfen auf dem rechten Bein, bei Rektaluntersuchung schmerzhafte Resistenz tastbar
Diagnostik
Blutbild (Leukozytose nicht obligat!), Entzündungsparameter, Urinstatus, Abdomensonographie
Komplikationen
Perforation (cave: plötzliche Schmerzfreiheit!), perityphlitischer Abszess, Peritonitis, Verwachsungen, chronische Appendizitis
Invagination
Abdominalsymptome
Meist im 1. Lj. intermittierende kolikartige Bauchschmerzen mit Brechattacken, unterbrochen von symptomfreien Phasen, in denen das Kind erschöpft und verfallen wirkt
Begleitsymptome
Kreislaufschock, Stuhlverhalt oder schleimig-blutige Diarrhoe
Lokalbefund
Eventuell walzenförmiger Tumor im rechten Unter- oder Mittelbauch, bei rektaler Untersuchung oft Blut am Fingerling
Diagnostik
Abdomen-Sonographie, Abdomen-Leeraufnahme
Harnwegsinfekte (Kind)
(s. dort)
Trimenon-Koliken
Symptome
In den ersten 3 - 5 Lebensmonaten krampfhaftes Anziehen der Beine, nicht unterbrechbares Schreien, vermehrter Windabgang
Lokalbefund
oft gespanntes, berührungsempfindliches Abdomen
Funktionelle Bauchschmerzen älterer Kinder („Nabelkoliken“, Colon irritabile)
Abdominalsymptome
Rezidivierende kolikartige Schmerzen periumbilikal bzw. im Kolonbereich, oft durch psychische Faktoren ausgelöst
Begleitsymptome
Blässe, haloniertes Aussehen, Schweißausbruch, Erbrechen, bei Colon irritabile Diarrhoe (evtl. im Wechsel mit spastischer Obstipation)
Lokalbefund
Abdomen meist weich, oft diffuser oder lokaler Druckschmerz (periumbilikal bzw. linker Unterbauch)
Diagnostik
Ausschluss organischer Erkrankungen
Abdominalmigräne
Anamnese
oft Migräne in der Familie!
Abdominalsymptome
Paroxysmal auftretende, heftige, meist diffuse Schmerzen
Begleitsymptome
Blässe, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Diarrhoe
Lokalbefund
uncharakteristisch
Diagnostik
evtl. EEG
Purpura Schoenlein-Henoch
Abdominalsymptome
Kolikartige Schmerzen, Ileussymptomatik durch Invagination möglich
Begleitsymptome
Petechiale Hautblutungen, blutige Stühle, blutiges Erbrechen, Arthritis, nephritische Hämaturie
Lokalbefund
diffuse Druckschmerzhaftigkeit, evtl. Abwehrspannung
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 09:50Gynäkologie & Geburtshilfe
Wochenbettinfektionen: Diagnose
Mastitis puerperalis
Wichtigste puerperale Infektion im Rahmen des „infektiösen Hospitalismus“ auf geburtshilflichen Abteilungen
Ursachen
- Erreger: fast ausschließlich Staphylococcus aureus, nur selten Streptokokken
- Infektionsweg
- Keimreservoir: Nasen-Rachen-Raum des Pflegepersonals, Bettwäsche, Handtücher
- Übertragung durch Kontaktinfektion, Luft- bzw. Staubinfektion bzw. Tröpfcheninfektion auf die Mundschleimhaut und den Rachen des Kindes. Von dort Übergang der Keime auf die Brust der Mutter während des Stillens
- Seltene Infektionsquellen: Lochialkeime, Wundinfektionen der Wöchnerin, Staphylokokkeninfekte der Umgebung (z.B. Ehemann, Besucher)
- Begünstigende Faktoren
- Rhagaden der Mamille durch zu langes und zu häufiges Anlegen des Kindes
- Nicht indiziertes Abpumpen der Milch
- Abdrücken der Milch mit Schädigung des Brustdrüsengewebes
- Fehlerhafte, unhygienische Brustpflege
Symptome
Erstsymptome
- Plötzlicher hoher Temperaturanstieg (oft mit Schüttelfrost)
- Schmerzhaftigkeit und Rötung der Brust
- Verschlechterung des Allgemeinzustandes
Verlaufsformen
- Mastitisches Infiltrat: Derbes, schmerzhaftes, anfangs schlecht abgrenzbares Infiltrat einer Brust; Rötung der Haut; evtl. schmerzhafte Schwellung der axillären Lymphknoten
- Mastitischer Abszess: Gleichbleibend hohes Fieber, teigige Schwellung der Haut, Fluktuation im Bereich des Infiltrates
- Retromammärer Abszess: Abszess unter der Pektoralisfaszie
- Montgomeryscher Abszess: Furunkel der Talgdrüse des Warzenhofes
Schmerzhafter Milcheinschuss
Schmerzhafte Schwellung beider Brüste am 3.–5. Wochenbettstag
Ursache
Hyperämie der Brust, die der Galaktopoese vorangeht (darf nicht mit einer infektiösen Mastitis puerperalis verwechselt werden!)
Symptome
Haut gespannt, livide verfärbt
Milchstau
Ursache
nur teilweise Entleerung aus bestimmten Mammabereichen
Symptome
- Verhärtung
- Schmerzhaftigkeit
- gelegentlich auch Rötung
- Temperaturerhöhung
Endometritis puerperalis
Aszendierte Infektion des Uteruskavum
Symptome
- Fieber
- Riechende Lochien
- Kantenschmerz am Uterus
Komplikationen
Gefahr der weiteren Keimaszension: Salpingitis mit nachfolgendem Tubenverschluss (Sterilität, Extrauteringravidität) bzw. Peritonitis puerperalis
Toxic-shock-Syndrom (TSS)
Ursache
- schwerste Form einer A-Streptokokken-Infektion (seltener)
- Lokale Staphylococcus-aureus-Infektion mit toxininduziertem Schock (häufiger, aber Verlauf durch lokale Begrenzung der Infektion weniger dramatisch)
- Immunschwäche
Symptome
- Kreislaufschock (RR <90 mm Hg systolisch)
- Temperatur >38,9°C
- Sonnenbrandähnliches Exanthem am Stamm, später auch an Extremitäten
- Diarrhoe, Erbrechen
- foudroyant verlaufende Weichteilinfektionen (nekrotisierende Fasciitis)
- Multiorganversagen
Diagnostik
Blut: Thrombopenie, Koagulopathie (DIG)
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 10:05Pulmologie
Pleuraerguss / -empyem: Diagnose
Pleuraerguss
Definition
Pathologische Flüssigkeitsansammlung in der Pleurahöhle, die als Folge einer primär pleuralen oder sekundär bei einer pulmonalen oder extrapulmonalen Erkrankung auftreten kann.
Häufigste Ursachen
- Herzinsuffizienz
- Pneumonie
- Lungenembolie
- Pleurakarzinose (besonders häufig bei Mamma- und Bronchuskarzinom)
- Tbc
- entzündliche Oberbaucherkrankungen wie subphrenischer Abszess und Pankreatitis
- Kollagenosen (Lupus erythematodes), akutes rheumatisches Fieber, rheumatoide Arthritis
Leitsymptome
Zu Beginn atemabhängiger Schmerz, Schonhaltung, Pleurareiben, Husten, Fieber. Bei großen Ergüssen Dyspnoe, thorakales Beklemmungsgefühl, Zyanose
Diagnostik
- klinisch: aufgehobener Stimmfremitus, gedämpfter Klopfschall, aufgehobene Atemgeräusche
- Röntgen-Übersichtsaufnahme des Thorax
- Sonographie
- Probepunktion: aufgrund der chemischen Zusammensetzung (Eiweißgehalt, LDH) werden Pleuraergüsse in Transsudat (kardiale Dekompensation, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom, Atelektase) und Exsudat (Entzündung, Tumor) eingeteilt
- zusätzliche Untersuchungen im Punktat, Zytologie, Ausstrich, bakterielle Untersuchungen einschließlich Kultur und Untersuchungen hinsichtlich Tuberkulose (Ziehl-Neelsen-Färbung, Löwensteinkultur)
- bei unklarem Pleuraerguss: Pleurablindbiopsie, evtl. chirurgisches Vorgehen (Video-assistierte Thorakoskopie/VATS)
|
Eiweißgehalt
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LDH
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Spez. Gewicht
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Zellen
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Moritz-
Rivalta- </p>
Probe
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| Transsudat | < 3,0 g % | < 200 U/l | < 1016 | vereinzelt | Ø |
| Exsudat | > 3,0 g % | > 200 U/l |
> 1016
|
reichlich, Granulozyten, Lymphozyten (Tbc), Tu.-Zellen |
+ |
Pleuraempyem
Eitrig-trüb, zähfließend, oft übel riechend
Ursachen
Parapneumonisch, Komplikation nach thoraxchirurgischen Eingriffen oder wiederholten Pleurapunktionen
Symptome
Schlechter Allgemeinzustand, Fieber, Leukozytose und BSG-Beschleunigung
Diagnostik
siehe Pleuraerguss
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 10:07Urologie
Prostataentzündungen: Diagnose
Akute Prostatitis
Spezifische
Tuberkulose, Gonorrhoe
Unspezifische
Erreger: gramnegative Stäbchen (E. coli, Klebsiellen und Proteus), Enterokokken, Gonokokken, Staphylokokken, Streptokokken, Anaerobier, Chlamydien und Mykoplasmen, Trichomonaden und auch Tuberkelbakterien
Ursachen
- urethrogen: Katheterismus
- kanalikulär: entzündliche Erkrankungen des Nebenhodens, Samenleiters oder der Samenblase über Ductus deferens fortgeleitet
- hämatogen: metastatische bakterielle Absiedlung
- lymphogen: entzündliche Erkrankungen im Analbereich, Analfisteln und Fissuren
Symptome
- Allgemeinerscheinungen: Fieber, Schüttelfrost, oft gleichzeitig Zystourethritis
- Miktionsbeschwerden: häufiger Harndrang, abgeschwächter Strahl, Harnträufeln, Schmerzen bei der Miktion
- Beschwerden in der Damm- und Analregion:
- Druck- und Spannungsschmerzen
- schmerzhafter Stuhldrang
- Mastdarmtenesmen
- Fluor: nicht regelmäßig
- Schmerzen in der Lenden- und Kreuzbeingegend
- zusätzliche Beschwerden beim Prostataabszess:
septische Temperaturen, Schüttelfrost
Urosepsis, trockene Zunge
schwerstkranker Eindruck
Dauerschmerz in der Damm- und Analgegend
Merke
Prostatamassage, Zystoskopie und Katheterismus bei akuter Prostatitis kontraindiziert, da Gefahr des Prostataabszesses besteht.
Komplikationen
Harnverhaltung, Prostataabszess, akute Pyelonephritis, Epididymitis, Zystitis
Prostataabszess
Folge eitriger Einschmelzung einer akuten Prostatitis
Merke
Ein Prostataabszess stellt eine lebensgefährliche Erkrankung dar. Notfall in der Urologie!
Diagnostik
- vergrößerte druckschmerzhafte Prostata (akute Prostatitis)
- extern schmerzhafte Prostata, prall-elastisch, mit Fluktuation (Abszess)
- BKS-Beschleunigung, Leukozyturie, Leukozytose um 20.000
Chronisches Stadium
Genese
Übergang der akuten Prostatitis in subakute und chronische Form
Symptome
- in der Intensität stark abgeschwächt gegenüber akuter Form
- Druckgefühl am Damm
- Ziehen in den Leisten mit Ausstrahlung in die Hoden
- leichte Miktionsbeschwerden wie Strangurie, Dysurie und Pollakisurie
Diagnostik
- rektale Palpation: konsistenzvermehrte Prostata, leicht druckschmerzhaft
- Prostataexprimat: 10-15 und mehr Leukozyten pro Gesichtsfeld
- Exprimat-Urin: Leukozyturie, Bakteriennachweis
- BKS: wenn, dann nur leicht erhöht
- Leukozytose: selten
- Harnröhrenausfluss: Keime und Resistenzbestimmung häufig auf speziellen Nährböden (Mykoplasmen, Chlamydien, chronische Gonorrhö)
Differentialdiagnose
Prostatodynie
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 10:07Dermatologie & Allergologie
Panaritien: Diagnose
(siehe auch Nagel-, Nagelbetterkrankungen)
Panaritium
Definition
Akute unspezifische eitrige Entzündung an Fingern (einschließlich Nagelbett) und Hand infolge Wundinfektion, nach meist banalen Verletzungen.
Formen und Symptome
Panaritium intracutaneum, Bulla infecta
sichtbare Eiterblase in der Haut, vorwiegend am Endglied
Panaritium peri- und paraunguale (Paronychium)
Infektion rings um den Nagelwall nach Einrissen der Epidermis
Panaritium subcutaneum
subkutane Eiterung auf der Beugeseite des Mittel- und Grundgliedes; Fingerkuppenabszess = entzündeter Fingerkuppenraum. Pulsierender Spontanschmerz, Druckschmerz, evtl. dorsales Ödem
Sonderform
"Kragenknopfabszess"
sanduhrförmiger Abszess mit zwei Höhlen</p>
Panaritium tendinosum
Sehnenscheidenkanal und -sack betroffen:
- Finger gerötet und geschwollen
- Haut glänzend und gespannt
- dorsales Ödem
- erkrankter und benachbarter Finger zur Entlastung in mittlerer Beugestellung
- starker Bewegungsschmerz, lokale Druckschmerzhaftigkeit über der ganzen Sehne (Knopfsonde)
Panaritium articulare
Gelenkempyem:
- Hautrötung
- Gelenkschwellung
- Stauchungs-, Zug- und Bewegungsschmerz
- abnorme Aufklappbarkeit bei Gelenkzerstörung
Panaritium ossale
Osteomyelitis-Symptome, Aufhellungen im Röntgenbild, Sequesterbildung
Panaritium periostale
sub- und periostaler Abszess
Phlegmone
Definition
Flächenhaft fortschreitende eitrige Zellgewebsentzündung mit ödematöser Durchtränkung der Umgebung
Formen und Symptome
Subkutane Hohlhand-Phlegmone
zwischen Haut und Aponeurosis palmaris
Oberflächliche Hohlhand-Phlegmone
zwischen Aponeurosis palmaris und Beugesehne
Tiefe Hohlhand-Phlegmone
zwischen Beugesehnen und Interossalmuskeln
Thenarphlegmone
über den Adduktoren des Daumens
Hypothenarphlegmone
in der Kleinfingerballenmuskulatur: Rötung, Schwellung, kollaterales Handrückenödem, Druckempfindlichkeit
Interdigitalphlegmone
in den Interdigitalräumen
so genannte V-Phlegmone
Sehnenscheidenphlegmone des Daumens oder Kleinfingers mit Übergreifen auf die andere Seite
Unterarmphlegmone
im Paronaschen Raum: Durchbruch der Eiterung in den Faszienraum des Unterarmes, Beugestellung aller Gelenke
Handrückenphlegmone
in Unterhaut, Fettgewebe und zwischen den Handrückenfaszien
Dorsale Fingerphlegmone
über der Strecksehne des Mittel- und Grundgliedes
Furunkel
In den behaarten Hautpartien des Fingerrückens (siehe Abszess)
Zusätzliche Diagnostik
Temperaturkontrollen, Blutbild (Leukozytose), Wundabstrich, Röntgenbild, Blutzucker
Komplikationen
fortschreitende Eiterung in tiefere Gewebeschichten, Verbindung zu tiefen Eiterherden
Übergreifen der Eiterung auf Sehnen, Gelenke und Knochen, Einbruch in die Hohlhand- und Vorderarmräume
Lymphangitis und -adenitis, besonders nach Bissverletzungen bis zur Pyämie mit septischer Metastasierung
Eingewachsener Zehennagel
Häufigste Erkrankung des Zehennagels. Entsteht, wenn ein Missverhältnis zwischen breiter Nagelplatte und zu schmalem Nagelbett vorliegt.
Auslösende Ursachen: falsches Abschneiden der distalen Nagelecken, enge Schuhe oder Hyperhidrosis pedum.
Krupp-Syndrom: Diagnose
Krupp-Syndrom
Definition
Mit Dyspnoe verbundene, entzündlich und/oder allergisch bedingte Obstruktion der oberen Atemwege; zum Krupp-Syndrom gehören
Subglottische Laryngotracheitis
Syn. "Pseudokrupp"; obstruierende Schleimhautschwellung im subglottischen und trachealen Bereich
Diphtherie-Krupp -Meldepflicht!
Syn. "Echter Krupp"; durch Ablösung diphtherischer Pseudomembranen verursachte, akute Stenosierung in Kehlkopf und/oder Trachea
Epiglottitis
Syn. supraglottische Laryngotracheitis; phlegmonöse, bakteriell bedingte Entzündung des Kehldeckels
Masern-Krupp
Als Masern-Komplikation auftretende, oft ulzerierende Laryngitis mit oder ohne begleitendem Larynxödem
Subglottische Laryngotracheitis
Häufigkeit
- Akute Form: häufig, jahreszeitlicher Gipfel im Spätherbst: typisches Manifestationsalter 6 Monate bis 3 Jahre (ältere Säuglinge und Kleinkinder, Knaben > Mädchen)
- Maligne und spasmodische Form: selten, saisonunabhängig; typisches Manifestationsalter 2-6 Jahre
Einteilung
- Akuter ("einfacher") Krupp
- Rezidivierender, sog. "spasmodischer" Krupp
- Maligne Laryngotracheitis
Ätiologie
Akute Form
meist Parainfluenza- oder RS-Viren
Spasmodische Form
Viren und/oder allergische Reaktion, rezidivierend, oft Atopiker, bei denen sich später obstruktive Atemwegserkrankung (z.B. Asthma bronchiale) entwickelt
Maligne Form
Superinfektion primär viraler Laryngotracheitiden durch Bakterien, v. a. H. influenzae, Streptokokken
Bei akutem und spasmodischem Krupp wirken möglicherweise Klimaeinflüsse (Frontendurchzug) und Schadstoffbelastung der Luft manifestationsfördernd.
Anamnese
Akute Form
Zunächst oft Zeichen eines banalen Atemwegsinfektes mit subfebrilen Temperaturen, dann im Laufe des Abends oder der ersten Nachthälfte zunehmende Heiserkeit, bellender Husten, inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), anfangs v.a. bei Aufregung, Unruhe, später Atemnot, evtl. auch exspiratorische Komponente
Spasmodische Form
Wie oben, jedoch Beginn oft ohne Prodromalstadium ("aus heiterem Himmel"); häufig positive Familienanamnese für Inhalationsallergien
Maligne Form
Beginn wie oben, jedoch nach 2-7 Tagen erneute Verschlechterung mit hohem Fieber, retrosternalen Schmerzen, oft rasch zunehmender Dyspnoe
Symptome
Akute Form
- Phaseneinteilung nach Symptomatik siehe Tabelle; oft leichtes bis mittelgradiges Fieber; Dauer 1-2 (-3) Tage, Verschlechterung in Abend- und Nachtstunden
- laryngotracheoskopisch Rötung und Schwellung der Mukosa
Spasmodische Form
Wie oben, jedoch meist leichterer Verlauf, kürzere Dauer, seltener Fieber
Maligne Form
- Wie oben, jedoch meist lebensbedrohlicher Verlauf, hohes Fieber; oft metallisch klingender Husten und eitrig-borkiger Auswurf; bei pulmonaler Beteiligung exspiratorischer Stridor, Tachypnoe, RG's
- laryngotracheoskopisch Ulzerationen mit fibrinösem Exsudat, Schwellung, Sekret, Membranbildung. Evtl. Intubation erforderlich, evtl. mit extensiver Bronchialtoilette
Stadieneinteilung der subglottischen Laryngitis
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Phase I Bellender Husten Phase II Stridor, Einziehungen im Jugulum und Epigastrium Phase III Stridor, zusätzliche Einziehungen der seitlichen Thoraxpartien, Atemnot, Tachykardie, Hautblässe, Unruhe, Angst Phase IV Stridor, maximale inspirat. Einziehungen, höchste Atemnot, Puls klein, frequent, Zyanose, Sopor
Diagnostik
Akute Form
keine; nur im Zweifelsfall (Differentialdiagnose Epiglottitis!) Laryngoskopie in Intubationsbereitschaft; keine Spatelinspektion des Rachens (Gefahr des Reflextodes)
Spasmodische Form
eventuell Allergietestung (vor allem bei gleichzeitig bestehendem Asthma bronchiale oder entsprechender Familienanamnese)
Maligne Form
- Laryngotracheoskopie in Intubationsbereitschaft
- nach Therapieeinleitung Infektionsdiagnostik inkl. Blutkultur, Trachealabstrich
- Röntgen-Thorax
Differentialdiagnose
Epiglottitis (siehe unten), Fremdkörperaspiration, Glottisödem, auch als allergische Manifestation (Quincke-Ödem, Insektenstich), Larynxödem, tetanischer Laryngospasmus, retropharyngealer Abszess, Diphtherie-Krupp
Differentialdiagnose des Krupp-Syndroms(nach SCHULTE, SPRANGER; Lehrbuch der Kinderheilkunde)
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Charakteristika Subglottische Laryngitis (Viraler Krupp) Spasmodischer Krupp Supraglottische Laryngitis (Epiglottitis) Lebensalter 6 Monate-3 Jahre 2-6 Jahre 2-6 Jahre Häufigkeit häufig weniger häufig weniger häufig Ätiologie Viren (Parainfluenza) Allergien, Viren Bakterien (Hämophilus influenzae) Stimme heiser heiser kloßig Husten bellend bellend selten Stridor vorhanden vorhanden nicht so ausgeprägt Dysphagie fehlt fehlt häufig Ateminsuffienz selten fehlt häufig Körperhaltung jede jede sitzend, nach vorne gebeugt, mit dem Kopf im Nacken Leukozyten normal normal stark erhöht Verlauf meist gutartig, Besserung innerhalb von 3 Tagen gutartig Besserung nach Stunden progredienter Verlauf mit meist rasch einsetzender Symptomatik
Komplikationen/Prognose
- Akute und spasmodische Form: gute Prognose, nur sehr selten intubationspflichtige respiratorische Insuffienz
- Maligne Form: Gefahr des Erstickungstodes; Pneumonie, Sepsis
Merke
- Kind beruhigen, schmerzhafte Manipulationen vermeiden
- Keine Spatelinspektion des Rachens ohne Intubationsbereitschaft, da Gefahr des Reflextodes
- Relativ harmlose, akute Form kann durch Superinfektion in gefährliche maligne Form übergehen
Epiglottitis
Definition: siehe oben
Häufigkeit
Zwanzigmal seltener als subglottische stenosierende Laryngotracheitis; saisonunabhängig, typisches Manifestationsalter 2-6 Jahre (v.a. Kleinkinder)
Ätiopathogenese
- oberhalb der Glottis, wenn auch unterhalb, dann meist sekundär, verläuft langsamer
- Phlegmonöse Entzündung im Rahmen einer Allgemeininfektion (positive Blutkultur); oft verbunden mit Meningitis
- Auslöser meist Hämophilus influenzae, Staphylokokken oder Pneumokokken
Anamnese
- Meist Stunden dauerndes Prodromalstadium mit Schluckbeschwerden (Schmerzen meist in Ohren ausstrahlend), ständigen Schluckbewegungen, Speichelfluss, kloßiger Sprache; kein Husten
- Dann rasche Verschlechterung mit hohem Fieber, rasch zunehmender Dyspnoe, wird schnell bedrohlich
Symptome
- Klassische Trias: Pharyngitis, Dysphagie, Dyspnoe
- 1. Symptom Schluckschmerz (Speichelfluss und Nahrungsverweigerung bei Kleinkindern); kloßige Sprache
- Hohes Fieber, toxischer Aspekt, Schocksymptome (Tachykardie, schwacher Puls etc.), Unruhe oder später Bewusstseinstrübung, sitzende Haltung mit vorgebeugtem Oberkörper und weit geöffnetem Mund
- Inspiratorische Dyspnoe mit starken thorakalen Einziehungen, Blässe oder Zyanose, Tachypnoe, bei Erschöpfung Bradypnoe; meist nur mäßiger inspiratorischer Stridor, exspiratorisches Röcheln (sog. "Karcheln")
Diagnostik
Klinische Blickdiagnose; Sicherung durch Laryngoskopie in Inhalationsnarkose; keine Spatelinspektion des Rachens ohne Intubationsbereitschaft.
Vor Therapieeinleitung (siehe unten) Infektionsdiagnostik mit Blutkultur, Rachen-Abstrich, möglichst auch Liquoruntersuchung (Zellzahl, Zucker, Eiweiß, Bakteriologie, mikroskopisches Präparat).
Differentialdiagnose
siehe unter subglottische Laryngotracheitis (siehe oben)
Prognose
Ohne rechtzeitige Therapie meist infauster Verlauf
Merke
- Bei Verdacht sofortige Klinikeinweisung, Transport mit Arzt
- Ohne Intubationsbereitschaft keine schmerzhaften Manipulationen, keine Spatelinspektion, keine Sedativa
- Bei Ateminsuffizienz außerhalb der Klinik möglichst Maskenbeatmung
Infektiologie & Hygiene
Diabetisches Fußsyndrom DFS (Diabetischer Fuß): Diagnose
Definition
Infektionen, Ulzerationen und/oder Destruktionen tiefen Gewebes beim Diabetiker, die mit neurologischen Auffälligkeiten und verschiedenen Graden einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) in der unteren Extremität einhergehen.
Ätiologie
Diabetische Neuropathie (Polyneuropathien)
führt zu Verlust der Schmerz-, Druck- und Temperaturwahrnehmung (dies lässt schädigenden Stimuli oder Traumen freien Raum, was Ulkus bewirken kann) bzw. Störung der Propriozeption (Tiefensensibilität = Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum, Muskelspannung, Gelenkstellung etc.; dies führt zu Atrophie und Schwäche der kleinen Fußmuskeln und zu einer veränderten biomechanischen Belastung des Fußes).
Diabetische Angiopathie (Zirkulationsstörungen)
führt zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Die peripher arterielle Mangeldurchblutung (pAVK) spielt als klassische Makroangiopathie bei ca. 1/3 der Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom eine Rolle. Die immer wieder zur Diskussion gestellte Mikroangiopathie des diabetischen Fußes spielt nach derzeitigem Wissensstand keine Rolle in der Entstehung des Fußsyndroms.
Kleine Traumen oder Verletzungen können ein schmerzhaftes, rein ischämisches Fußulkus nach sich ziehen. In Verbindung mit der diabetischen Neuropathie (Verlust der Schmerzwahrnehmung) können sich unbemerkt Ulzera entwickeln (z.B. plantar bei Druckstellen im Schuh).
| Trauma Banale Verletzungen durch barfuß gehen, Fußpflege (Hühneraugen), schlechtes Schuhwerk (Blasen), Steinchen im Schuh, Nagel im Schuh, Verbrennungen z.B. durch zu heißes Fußbad, Stürze, Unfälle usw. werden bei Neuropathie oft gar nicht wahrgenommen.</p> Infektion gestörte Biomechanik sozio-ökonomischer Status (als Risikofaktor) Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist ein vielseitiges Krankheitsbild, das von einfachen, oberflächlichen Ulzerationen bis zur Phlegmone des gesamten Vorfußes oder Unterschenkels reichen kann. |
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Drucknekrose und Ulzeration
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Infektion mit gasbildenden Keimen – Indikation zur primären Amputation
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Symptome
- Ulkus oder Ulzera unterschiedlicher Form und Größe
- Ulkusgrund oft nur schwer feststellbar (Sonde), schmierig belegt (Sekundärinfektion) oder trocken nekrotisch (schlechte Heilungstendenz)
- häufig (auch bei tiefen Fußinfektionen) geringe Symptomatik; schwere Zeichen einer Infektion (Fieber, ausgeprägte Leukozytose, erhöhtes CRP oder hohe BSG) können fehlen
- Weichteilinfektion (durch die klassischen Zeichen wie Rötung, Schwellung und Ödembildung sowie Eiter und Wundsekret zu erkennen)
- Neuro-Osteoarthropathie
- Osteomyelitis
Klinisch zeigt sich die peripher arterielle Mangeldurchblutung durch einen kühlen, schlecht durchbluteten Fuß, der blass ist und auch livide verfärbt sein kann.
Die klassische Symptomatik der Claudicatio intermittens und der Ruheschmerz kann bei fortgeschrittenem Stadium allerdings fehlen, da praktisch immer gleichzeitig eine Neuropathie mit einem Verlust der Schmerzempfindung entsteht.
Bei der Palpation der Fußpulse findet man aufgrund der höher sitzenden Stenosen meist keine oder nur sehr schwache Fußpulse.
Kommt es zu einer relevanten Mangeldurchblutung, entwickeln sich im Rahmen der Makroangiopathie klassischerweise akrale Läsionen.
Hypertonie, Rauchen und Dyslipidämie verstärken das Risiko für diese makrovaskulären Veränderungen.
Diagnostik
- Fußskelettröntgen
- Ermittlung des Dopplerindex
- Duplex-Sonographie
- Angiographie
- Labor (Diabetes mellitus!): BSG, erhöhtes CRP sowie erhöhte Blutzuckerwerte bzw. HbA1c
- stumpfe Sondierung bis zum Knochen
- Knochenbiopsie (beweisend für das Vorliegen einer Osteomyelitis)
- Bakterienkultur aus tiefem Gewebe
- Magnetresonanzuntersuchung (MRI)
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Einteilung von Läsionen beim diabetischen Fuß (nach Wagner)
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Stadium
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Läsion
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0
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Risikofuß, keine offene Läsion |
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I
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oberflächliche Läsion |
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II
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Ulkus bis zur Gelenkskapsel, Sehnen oder Knochen |
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III
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Ulkus mit Abszess, Osteomyelitis, Infektion der Gelenkskapsel |
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IV
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begrenzte Vorfuß- oder Fersennekrose |
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V
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Nekrose des gesamten Fußes |
Das diabetische Fußsyndrom ist epidemiologisch und klinisch betrachtet eine sehr wichtige Diagnose bei Patienten mit Diabetes mellitus. Durch die Folgen des nicht rechtzeitig diagnostizierten und unzureichend behandelten "diabetischen Fußes" entstehen durch den Verlust der unteren Extremität bis zum Oberschenkel hin großes menschliches Leid und hohe medizinische Behandlungskosten. Rechtzeitige Diagnose einer Osteitis oder einer Osteomyelitis ist wichtig, da bei einer Chronifizierung eine Resektion des Knochens oder manchmal auch eine Amputation des Knochens notwendig wird.
Kriterien für die Diagnose einer Osteomyelitis
Bei Zutreffen von mindestens drei dieser Kriterien ist bei einem Ulkus eine Osteomyelitis zu vermuten:
- Zellulitis
- probing to bone (mit einer Knopfsonde ist der Knochen zu erreichen)
- positiver Wundabstrich vom Wundgrund
- radiologischer Hinweis für Osteitis (konventionell oder MRT)
- histologische Bestätigung
Die regelmäßige Fußuntersuchung - bei niederem Risiko zumindest einmal jährlich, bei höherem Risiko öfters - stellt daher eine entscheidende Säule in der Prophylaxe dar.
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neuropathisch / infiziert
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ischämisch
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| Ulkuslokalisation | an druckexponierten Stellen: plantar, Fußrand und Zwischenzehenraum | akrale Nekrosen (Zehen und Ferse) |
| Haut | trocken, warm, Rhagaden, Hyperkeratosen, rosig, rissig | kalt, blass-livide |
| Gewebe | diskretes Ödem, bei Infektion starkes Ödem | atrophisch |
| Fußpulse | tastbar | schwach bzw. aufgehoben |
| Zehen | Fehlstellung (Hammer- und Krallenzehen) |
-
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| Nägel | eingewachsene Nägel, subungale Blutung, Mykose | deformiert, verdickt |
| Sensorik | Schmerz-, Druck-, Vibrations- und Temperaturempfindung eingeschränkt oder aufgehoben | Schmerzen bei Belastung, erst später in Ruhe |
T. Pieber, Antibiotika Monitor 1/2/2001
Komplikationen
- Infektion des Ulkus
- Charcot-Fuß (beim Vollbild des Charcot findet man makroskopische Knochen- und Gelenksveränderungen sowie Subluxationsstellungen und Dislokationen)
- Sepsis
- Amputation (hoher Prozentsatz!) und alle damit zusammenhängenden Komplikationsmöglichkeiten und Folgen (Immobilität!)
- Komplikationen von Seiten der diabetischen Grunderkrankung (z.B. kardiovaskulär)
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Infektionen beim diabetischen Fuß - Erregerhäufigkeit
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60-70%
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Grampositive Aerobier - S. aureus - koagulase-neg. Staphylokokken - Streptokokken - Enterokokken |
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20-30%
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Gramnegative Aerobier - Proteus spp. - E. coli - Pseudomonas aeruginosa |
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4-5%
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Anaerobier - Peptostreptokokken - Bacteroides fragilis |
W. Graninger, Antibiotika Monitor 1/2/2001
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 10:20Anorektalerkrankungen : Diagnose
Anorektalerkrankungen
Definition
After und Mastdarm betreffende Erkrankungen (mit Ausnahme der Hämorrhoiden, s. dort)
Fistelnde Analabszesse
Treten in jeder Altersgruppe, jedoch vorwiegend bei jüngeren Männern auf und im Rahmen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Je nach Stadium der Entzündung stehen das akute Bild des Abszesses oder die Fistel als chronische Form im Vordergrund.
Ursachen
Meist Entzündung einer Proktodealdrüse in einer Krypte. Ausbreitung über die Ausführungsgänge der Analdrüsen (im intrasphinktären Raum lokalisiert).
Fisteltypen (überwiegend posterior in Steinschnittlage)
- submukös und intersphinktär
- transsphinktär
- suprasphinktär
- extrasphinktär
Symptome
- Schmerz, umschriebene Schwellung, Fieber
- schmerzhafte Schwellungen intra-/perianal oder supralevatorisch
- ständige Sekretion von Stuhl (komplette Fistel) oder Pus (spontane Abszessentleerung)
Diagnostik
- anale Inspektion
- rektale digitale Untersuchung evtl. Sondierung eines Fistelganges
- Rektoskopie in Narkose (Schmerz)
- dynamische Beckenboden-MR oder CT (vor allem bei chronischen Fisteln und CED), alternativ:
-
rektale endoluminale Sonographie bei chronischen Fisteln ohne akute Entzündung
Komplikationen
Schädigung des Kontinenzorganes (am wichtigsten)
- durch entzündliche Destruktion infolge Narbenschrumpfung (Analstenose)
- durch chirurgisch-therapeutische Maßnahmen (Verletzung des Schließmuskels)
Fistelrezidiv (häufig)
- durch ungenügende Sphinkterspaltung
- durch zu rasches Verheilen der Abszessinzision
Proktitis
Entzündung der Rektumschleimhaut
Ursachen
sehr vielfältig:
- immunologische oder infektiös-entzündliche Darmerkrankungen
- Hämorrhoiden
- traumatische
- chemische
- medikamentöse (Antibiotika, NSAR)
- spezifisch: venerische, Nicolas Favre
- parasitäre: Amöben
- Strahlenproktitis
Symptome
- Tenesmen
- Schmerzen in der Analgegend
- Schleim-, Eiter- oder Blutabgang
Diagnostik
Endoskopie bestätigt Diagnose, ermöglicht Abstrich (Stuhlkultur) und Biopsie und schließt andere Ursachen wie Karzinom, Polypen, entzündliche Dickdarmerkrankung (Colitis ulcerosa, M. Crohn u.a.) etc. weitgehend aus.
Analfissuren
Häufig Folge von Hämorrhoiden, Kryptitis, hartem Stuhl oder auch Analekzem und infolge anatomischer Gegebenheiten fast immer dorsal (bei 6 h) lokalisiert. Häufig verdeckt ein entzündlicher Polyp den Unterrand der Fissur.
Symptome
- perianaler, oft unerträglicher Schmerz, der einige Minuten nach dem Stuhlgang auftritt und mehrere Stunden anhält
- gelegentlich starker und hartnäckiger Analpruritus
- spastische Schließmuskelkontraktur
- Blut bei Defäkation
Diagnostik
- Inspektion und Palpation der perianalen Region und des Analkanals
- Procto-Rektoskopie-Untersuchungen (nur nach vorangegangener lokaler Anästhesie)
Befund
Kleiner Schleimhautriss bei 6h von 2-5mm Länge aboral der Linea dentata intraanal
Differenzialdiagnose
Analkarzinom, luetische Fissur, Fistel (M. Crohn)
Analekzem
Entzündliche Irritation des Anoderms
Ursachen
Kontaktallergene, Pilze, Parasitosen, falsche Hygiene, Hämorrhoiden, Tumoren, Marisken, Fisteln, Fissuren, Prolaps
Lokalisation
- perianal bis auf die Gesäßpartien übergreifend
- im Analkanal
Symptome
- Juckreiz (besonders nachts)
-
feuchte Analregion, Rötung, Schuppung, Kratzspuren
Diagnostik
- anale Inspektion und Palpation
- Proktoskopie
- Abstrich
- Epikutan-Test
Marisken
Schmerzlose Hautläppchen von hautfarbener, glatter bis runzeliger Beschaffenheit
Ursachen
- meist primär, gelegentlich bei Analfissur als sog. Vorpostenfalte
- Restzustand nach Hämorrhoiden
Symptome
- selten
- gelegentlich Störung bei Analhygiene
- bei entsprechender Größe als "Kotfänger"
- Pruritus ani
Analekzem
Analthrombose
Akut auftretender perianaler Knoten auf Basis einer Thrombose der submukösen Venen
Ursachen
- übermäßiger Pressvorgang bei Defäkation
- Entbindung
- akute intraabdominale Druckerhöhung (häufig zugrunde liegende Hämorrhoiden)
Symptome
plötzliches Druckgefühl und starker Schmerz
Sinus pilonidalis - Sakraldermoid
Subkutane Fisteln mit Haar-/Detritusinhalt in der Rima ani
Ursachen
- Eindringen von Oberflächenepithelien und Haaren
- persistierender Neuroporus
Symptome
- Schmerzen
- Juckreiz
- sezernierende Fistel
- Abszess
Diagnostik
Inspektion, Sondierung
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 10:29Neurologie & Psychiatrie
Epilepsien (Erwachsene) : Diagnose
Epilepsien (Erwachsene)
Zerebrale (epileptische) Anfälle und Anfallsleiden sind keine Krankheitseinheit, sondern ein uneinheitliches Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann.
Epilepsien (Erwachsene)
Zerebrale (epileptische) Anfälle und Anfallsleiden sind keine Krankheitseinheit, sondern ein uneinheitliches Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann.
Definition
Gelegenheitsanfälle
Zum Beispiel durch bestimmte Pharmaka, nach übermäßigem Alkoholgenuss und Schlafdefizit, bei Alkoholentzug (beginnendes Delir!), Fieberkrämpfe des Kindes, akute Hypokalzämie, akute Hypoglykämie, Überwässerung etc.
Epilepsie
Chronisch, auch ohne äußeren Anlass rezidivierende zerebrale Anfälle. Ein Übergang von Gelegenheitskrämpfen zu Epilepsie ist möglich.
Ursachen
- Intrakraniell-raumfordernder Prozess, Tumor, Blutung, Abszess
- Hirnnarbe nach Trauma, Entzündung, Infarkt
- Entzündliche Erkrankung des Gehirns und der Gefäße
- Hirn- oder Gefäßmissbildung, z.B. Angiom
- Perinatale Hirnschädigung
- Erkrankung innerer Organe
- Akute Hypokalzämie, akute oder chronisch rezidivierende Hypoglykämie, Überwässerung etc.
- Exogene Ursachen, z.B. Alkoholismus und Intoxikationen
- Nicht selten ist die Ursache einer Epilepsie nicht auffindbar (sog. genuine Epilepsie)
- Erblichkeit sowohl bei generalisierter als auch bei fokaler Epilepsie möglich
Einteilung
- Generalisierte Anfälle
- sekundär generalisierte Anfälle
- fokale Anfälle
- nicht klassifizierbare Anfälle
Generalisierte Anfälle
Zu den generalisierten Anfällen gehören auch die myoklonisch astatischen Anfälle, ferner atonische, klonische Anfälle und andere vorwiegend im Kindesalter vorkommende Formen, v. a. Absencen und das Impulsiv-petit-mal des Jugendalters
Tonisch-klonische Grand-mal-Anfälle
Symptome
Ablauf: Aura (nur selten erinnerlich), gelegentlich Initialschrei, oft abruptes Hinstürzen mit Bewusstseinsverlust und Sturzverletzungen, tonische Streckung der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur, Apnoe, Übergang in rhythmische Zuckungen, an den Extremitäten am besten beobachtbar. Übergang in Nachschlaf, mehr oder weniger lange Reorientierungsphase. Nachher oft Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen (Durchgangssyndrom)
Fokale Anfälle
Einfache fokale Anfälle
Zum Beispiel motorische oder sensible Jackson-Anfälle
Symptome
Rhythmische Zuckungen bzw. Missempfindungen auf eine Extremität beschränkt, von kurzer Dauer, Bewusstsein erhalten. Lokalisatorisch bedeutsam! Entwicklung von distal und proximal: march of convulsion
Sonderform: Halbseitige fokale Anfälle
Komplexe fokale Anfälle
(Syn.: psychomotorische Anfälle, Dämmerattacken)
Bewusstseinsbeeinträchtigung obligatorisch. Fokus im Temporallappen bzw. limbischen System
Symptome
Subjektiv
Patient hat häufig Schwierigkeiten mit der Symptomschilderung. Häufig vom Epigastrium aufsteigende Sensationen, "komisches Gefühl", "wie im Traum", "alles weit weg", "Schwindel", selten spontan, auf Befragen häufig "Angstgefühl". Gelegentlich Dejà-vu- oder Jamais-vu-Erlebnisse (lassen als isoliertes Symptom nicht zwangsläufig den Schluss auf Epilepsie zu), Filmriss und vieles andere
Objektiv
Patient wirkt abwesend, motorische Automatismen (fakultativ) wie z.B. Nesteln, Schlucken, Kauen, stereotype Bewegungen wie Trampeln, Scharren etc., Automatismen mit Handlungscharakter (Weglaufen, Aggressionshandlungen), Sprechautomatismen, affektive Äußerungen (z.B. Lachen, Stöhnen etc.). Gelegentlich Tonusverlust oder tonische Verkrampfung, Pupillenerweiterung, Blässe, Erröten, Tachykardie, Blutdruckanstieg. Anfallsdauer unter 1 Min. bis zu 2 Min. im Durchschnitt.
Sonderfall: Status epilepticus
Anfallsdauer prolongiert über 10-15 Min. bzw. volles Bewusstsein kehrt zwischen den Anfällen nicht zurück. Der Grand-mal-Status ist ein neurologischer Notfall, er ist lebensbedrohlich!
Auch fokale Anfälle können sich statusartig verlängern
Diagnostik
- Anamnese inklusive Fremdanamnese (Anfallsbeschreibung)
- Neurologische und internistische Untersuchung
- EEG mit Provokationsverfahren (je nach Epilepsieform Schlafentzug, Photostimulation); oft mehrmalige Wiederholung erforderlich; simultane EEG- und Videoaufzeichnung, Telemetrie, Tiefenelektroden
- Kraniales CT mit Kontrastmittel
- NMR
- Eventuell Angiographie
- In ausgewählten Fällen PET und SPECT
Differenzialdiagnose
Differenzialdiagnostische Abgrenzung epileptischer Anfälle gegenüber Synkopen insbesondere bei komplexen fokalen Anfällen oft äußerst schwierig oder gar unmöglich ohne Beobachtung eines klinischen Anfalls
Wichtige Diffenzialdiagnose: psychogene Anfälle, Hyperventilationstetanie
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Symptom |
Grand mal Epilepsie |
Synkopen
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Bewusstseinsstörung |
+ |
+ |
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Konvulsionen |
+ |
äußerst selten |
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Sturzverletzung |
häufig |
selten |
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Einnässen |
häufig |
fehlt in der Regel |
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Nachschlaf |
häufig |
fehlt in der Regel |
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Zungenbiss |
häufig |
fehlt in der Regel |
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postkritische Phase |
langsame Erholung |
rasche Erholung |
Epilepsie und Schwangerschaft
Generell ist die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft zu betrachten. Bei antikonvulsiver Therapie während der Schwangerschaft ist das Missbildungsrisiko (Herzmissbildungen, Kiefergaumenspalten) mit 10 % doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung.
- Teratogenes Potential: Primidon > Valproinsäure > Phenytoin > Carbamazepin > Phenobarbital.
- Einzelne Missbildungen auch nach Einnahme von Lamotrigin und Vigabatrin beschrieben, bislang keine ausreichenden Langzeiterfahrungen.
- Bei mehr als 2 jähriger Anfallsfreiheit evtl. Medikation vollständig absetzen, ansonsten Monotherapie in möglichst niedriger Dosierung. Umstellung auf Retardpräparate bei Carbamazepin und Valproinsäure, die übrigen Antikonvulsiva auf mind. 3 Tagesdosen verteilen, um Plasmaspitzenkonzentrationen zu vermeiden.
- Zunahme der Anfälle bei 20% der Schwangeren
- Perinatale Mortalität bei anfallskranken Frauen größer als bei der Durchschnittsbevölkerung.
- Valproinsäure während der Frühgravidität erhöht Risiko der Myelomeningozele um das Zehnfache
- Häufig sinkt während einer Schwangerschaft die Serumkonzentration des Medikamentes ab und steigt schlagartig zum Zeitpunkt der Geburt wieder an. Bestimmung der Serumspiegelkonzentration des Medikaments daher besonders wichtig.
- Nach der Geburt ebenfalls engmaschige Kontrolle des Serumspiegels bis zur Normalisierung des Körpergewichts der Mutter.
- Abstillen bei hoch dosierter antikonvulsiver Therapie empfohlen.











